Horse

Hier die Zusammenfassung des Gesprächs  mit
Hazeldine
by
Sebastian Mende.
Layout: Hans Settler
 
Interviewer: Sebastian Mende, Giessen, Germany
Technik: Hans Settler
1 Zwischenfrage: Hans Settler


Hazeldine Interview; Samstag 20.09.1997

Cafe´ Trauma in Marburg. Samstag Abend, ca. 19°°Uhr.

Das Ambiente wie man es sich für ein Interview mit Vollblutmusikern vorstellt: Verschlissene Sofas, Butterstullen belegt mit Aldi-Schinken und Käse und die (noch) halb volle Jim Beam Flasche auf dem Tisch.


Shawn räkelt sich auf einem der Sofas, sichtlich müde vom Tourneestreß, Jeffrey sitzt neben ihr und ist der erste, der uns freundlich begrüßt. Tonya ist die kühle Ruhe in Person, trotzdem aber irgendwie nett. Anne kommt später hinzu und komplettiert das Quartett aus New-Mexico.
Nach einer kurzen Begrüßungsrunde und dem Aufstellen des Mikrophons beginnen wir mit dem Interview. Über die Frage aus gegebenem Anlaß, warum  die Band ihre Texte nicht abdruckt bekommen wir ein kopfschüttelndes „Darüberhabenwirnochnienachgedacht!". Nach anfänglichem Smalltalk ist das Eis schnell gebrochen; was einem die Band auch sehr leicht macht. Einfach supersympathisch und offen!

Hazeldine haben nach ihren Erzählungen mit der Möglichkeit beim „South-by-Southwest-Festival" 1995 aufzutreten und der dies mit sich bringenden Gruppenstimmung endgültig das Schlüsselerlebnis gehabt, als Band zusammenzubleiben. Sie sehen ihre gemeinsame Entwicklung als sehr gewinnbringend für ihre Musik an. Die Frage nach ihren musikalischen Vorbildern beantworten sie mit einem gelangweilten
„Neil Young and all the old ones!"; wobei sie es sich nicht nehmen lassen, auch ihre aktuellen Einflüße preiszugeben. Hier fallen Namen wie
„Giant Sand", „Portishead", „Barbara Mannings", „OP8" und sogar die, auch nach Anne´s Meinung „beste Band der Welt" „Oasis". Shawn erwähnt hier auch noch ihren Vater, der mit ihr ab dem Alter von 6 Jahren echten Blue-Grass Country spielte.

Zu weiteren CD-Veröffentlichungen möchten sie sich dann nicht äußern; nur daß wahrscheinlich eine remixte und mit „ein paar mehr Songs" aufgepeppte Version von „How bees fly" als US-Release im nächsten Frühjahr über´m Teich erscheinen soll. Shawn reagiert spontan selbstbewußt mit einem fast akzentfreien „Natuurlisch" auf die Frage nach der positiven Kritik im deutschen Rolling-Stone-Magazin. Sie hat die Kritiker-Polls des deutschen Kultmagazins auch schon ein paar Freunden in den Staaten geschickt; immerhin Platz vier!

Nein; auf die Frage, ob sie schon einmal negative Erfahrungen mit der Tatsache gemacht haben, in einer Männerdomäne als Fast-Nur-Girl-Band" Musik zu machen, konnten sie keine Beispiele erzählen. Irgendwie denken sie auch nicht darüber nach. Außerdem sind sie sowieso „die echten Spice Girls", flachsen sie daraufhin miteinander!

Nachdem die Jim Beam Flasche ein weiteres Mal die Runde gemacht hat, erzählt Shawn von ihren Deutschkenntnissen, die sich in der gesamten Band auf Ausdrücke wie „Billige Nutte" und „Ungezogene Kinder" beschränken. Über das deutsche Konzertpublikum wissen sie nur das beste zu berichten. So sind die deutschen, neben ihrer immensen Bereitschaft Merchandising-Artikel zu erwerben, auch wesentlich bewußter bei der Musik, als das z.B. in den Clubs in den USA der Fall ist. Dort ist es vielen Leuten egal, wer da spielt; hier scheinen die Zuhörer ganz gezielt wegen der Band zu kommen.

Die Tour wird in Deutschland noch fortgesetzt und europaweit in Dublin beendet. Dann geht es endlich wieder nach Hause; „we haven´t been there for almost ten months now!"

Copyright 1997 Sebastian Mende, Hans Settler; Radio Unerhört Marburg